Soul »
17
Jan 12

Rhythm and Blues

Kategorie: Black Musik |

Der Rhythm and Blues bestimmt seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts die populäre Musik der farbigen Bevölkerung aus den USA. Da sich die Art der afroamerikanischen Unterhaltungsmusik im steten Wandel befindet, fasst man unter den Begriff Rhythm and Blues auch sehr unterschiedliche Genres zusammen. Als Basis können jedoch die frühen Gesangs- und Musikstile der amerikanischen Farbigen, bestehend aus Gospels, Spirituals und Blues angesehen werden.

Der Rhythm and Blues (auch Rhythm & Blues, abgekürzt: R&B, R ’n’ B oder auch RnB) war zunächst ein Stil der in den 1940er-Jahren die afroamerikanische Popmusik dominierte. Bezeichnend für den damaligen R&B-Stil war eine rhythmisch stark akzentuierte Form des Blues, aus der später der Rock ’n’ Roll wurde.

Der Begriff Rhythm and Blues tauchte erstmals 1941, nach einem Tantiemen-Streit zwischen der amerikanischen Urheberrechtsgesellschaft ASCAP und den Rundfunkanstalten der USA als Gattungsbegriff auf, um den als diskriminierend empfundenen Begriff Race Music zu ersetzen. So betitelte das Billboard-Magazin ab 1949 eine seiner Spartenhitparaden mit Rhythm and Blues. Den Begriff soll Jerry Wexler geprägt haben, der damalige Journalist und spätere Produzent des Plattenlabels Atlantic Records

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die ersten Rhythm-and-Blues-Bands in den USA gegründet. Die Radiostationen waren nicht mehr bereit, für ihr musikalisches Unterhaltungsprogramm teure Big Bands anzustellen und spielten stattdessen Schallplatten. Damit fiel für die Big Bands ein beträchtlicher Anteil der Einkünfte weg. An ihre Stelle traten kleinere Bands, die aus Rhythmus-Gruppe und einigen Bläsern (Horn-Sections) bestanden.

Diese sogenannten schwarzen Big Bands und Kneipen-Combos interpretierten den Rhythm and Blues als eine Art Tanzmusik. Viele Bands verpflichteten echte Shouter als Sänger, wie Big Joe Turner. Der erste große Star des Rhythm and Blues war Louis Jordan. Zu seinen Hits zählten unter anderem Caldonia, Saturday-Night-Fish-Fry und ChooChoo-Boogie. Als Leadinstrument setzte sich gegenüber dem Piano die elektrische Gitarre durch. Typische Vertreter des gitarrenbetonten Rhythm and Blues sind beispielsweise Ike und Tina Turner. Die Stellung des Rhythm and Blues als Musik der schwarzen Unterschicht änderte sich in den 1950er-Jahren durch die Vermischung des Rhythm and Blues und des Rock ’n’ Roll. Der herausragende Künstler seinerzeit war Chuck Berry. Durch die Kommerzialisierung der weißen Plattenfirmen anhand von weißen Sängern wie Elvis Presley, Jerry Lee Lewis oder Buddy Holly verlor der R&B seinen eigentlichen Charakter und wurde so für das Etablissement gesellschaftsfähig.

Angestachelt durch den Mainstreamsog den der Rhythm and Blues ausgesetzt war suchten sich die schwarzen Musiker neue Musikstile. Ein Stil der sich durchsetzen sollte war die Soulmusik. Durch die Verbindung von Rhythm and Blues mit Gospel schufen die schwarzen Künstler in den späten 1950er-Jahren die Soulmusik, eine Form des Rhythm and Blues mit seinen alten säkularen Themen, die nun mit sakraler Energie vorgetragen wurde. Als Vorreiter der Soulmusik ist in dieser Zeit Ray Charles zu nennen. Später folgten dann Marvin Gaye, Barry White und The Temptations. Der Song Hallelujah, I love her so! (1959) von Ray Charles spiegelte diese Spannung im Titel wider. Soul griff die Motive und Themen der schwarzen Bürgerrechtsbewegung auf – den Kampf um gesellschaftliche (rechtliche und wirtschaftliche) Anerkennung der immer noch unterprivilegierten Afroamerikaner und damit verbunden der Konstituierung schwarzen Selbstbewusstseins.

Soul spaltete sich in den 60er Jahren in verschiedene Genres und Stile auf. Der wirkungsmächtigste und geschäftlich erfolgreichste dürfte Motown gewesen sein. Das Detroiter Label machte eine Reihe von Künstlern groß, beispielsweise Diana Ross & The Supremes, die Temptations, Smokey Robinson & The Miracles, Stevie Wonder und Marvin Gaye. Eine Entwicklungslinie führte von hier zum Funk der 1970er-Jahre. Stilprägend war hier vor allem James Brown.

Gegen Ende der 60er Jahre übernahmen schwarze Soulmusiker wie zum Beispiel Ike und Tina Turner Elemente des Rock in ihren Kompositionen auf. Andere Bands wie die Jackson Five vermischten Rhythm And Blues-Elemente mit schnellen, gradlinigen Pop-Rhythmen und kreierten so den Disco-Stil.
In den 1980er- und 1990er-Jahren erfuhr der Begriff eine Neudeutung und bezeichnete Verbindungen von Popmusik und Soul (Michael und Janet Jackson, Whitney Houston, Lionel Richie), beziehungsweise später eine Verbindung von Popmusik und Hip-Hop (Musik). Zur genaueren Abgrenzung werden hierfür häufig die Begriffe „Contemporary R&B“, „Rhythm ’n’ Beat“, „Rap ’n’ Beat“ oder „R&B“

Die klassische Soulmusik steckte Anfang der 80er Jahre in einer schweren Krise. Eine Folge des Hip-Hop war die Spaltung des schwarzen Amerika in zwei unterschiedliche Welten und Wertsysteme. Auch die kommerziellen Zentren der Soul-Musik verlagerten sich. Während Chicago, Memphis und Detroit für Soul-Produktionen nahezu bedeutungslos wurden, sorgten neue Studios und Labels in New York, Philadelphia und Los Angeles für Nachschub auf dem Soul-Markt. Haupttrend war auch hier der Crossover in Richtung Pop. Kurzfristig lebte auch die alte Stilbezeichnung Rhythm’n’Blues neu auf – diesmal als Stilbezeichnung für neuere, tanzbare Soul-Varianten. Als langlebiger erwiesen sich allerdings allgemeinere Begriffe wie Neo Soul oder Urban Soul. Bedeutende Soul-Künstler des neuen, urban ausgerichteten Stils waren Luther Vandross, Freddie Jackson, Shirley Jones, Teena Marie und Anita Baker. Doch auch älteren Soul-Acts wie Gladys Knight & the Pips, Marvin Gaye und Bobby Womack gelang es in dieser Umbruchphase, sich mit neuen Produktionen und Stücken in Erinnerung zu bringen.

Ab den 80er Jahren wendete sich die Aufmerksamkeit der schwarzen Musiker einer Mischung aus R&B und weißer Popmusik zu. Afroamerikanische Pop-Musiker wie Michael Jackson, Janet Jackson, Billy Ocean, Prince, Whitney Houston, Maxwell, Terence Trent D’Arby u.a. ließen zwar in den Melodien nach wie vor ihre musikalischen Ursprünge erkennen, doch der Sound und die rhythmischen Strukturen lehnten sich dagegen meist mehr an weiße Popproduktionen an. Das Ergebnis waren angepasste Texte und perfekte Sounds, die sich sehr an das Etablissement anlehnten, und nicht mehr allzu viel mit der eigentlichen Bedeutung der schwarzen Musik zu tun hatte. Die Rhythmen betonten nicht mehr so stark Synkopen und wurden dadurch ‘gerade’. Die technische Entwicklung der elektronischen Instrumente wie zum Beispiel Drum-Computer oder Syntheziser trugen dazu ihren Teil bei. Nur am Werdegang der Künstler zeigte sich der Ursprung in der schwarzen Kultur. Sie etablierten sich zuerst in den vorhandenen Rhythm and Blues-Charts, bevor die weiße Hörerschaft sie wahrnahm und sich der Erfolg in den Pop-Charts einstellte. Diese Übernahme gipfelte in der Bezeichnung des Rhythm and Blues-Sängers Michael Jackson als King Of Pop.

Zusammen mit Produzent Quincy Jones definierte Jackson Ende der Siebziger auf dem Album “Off The Wall” die moderne Ausrichtung des R’n’B. Funkige Disco-Sounds vereinten sich mit guten, alten Soul-Tunes, heraus kam eine sexy-groovende, oft schmalzige Version des Mainstream-Pop. Jackson selbst blieb seinem Sound mit den beiden nächsten Alben “Thriller” und “Bad” zwar treu, doch dank des überragenden Superstarstatus in der ganzen Welt und seinem Bestreben “weiß” zu werden, entfernte er sich von seinen afroamerikanischen Roots. Die Geburtsstunde des R’n’B war der Anfang, mit der sich die schwarze Musik im Laufe der Jahre gesellschaftlich etablierte. Die Verschmelzung zwischen schwarzer und weißer Musik wurde unter anderem auch von so Ausnahmekünstlern wie Michael Jackson forciert. Im umgekehrten Sinne kann man natürlich auch weiße Künstler wie Buddy Holly, Elvis und Eric Clapton als Wegbereiter der musikalischen Verschmelzung ansehen.

Gegen Ende der 80er Jahre drängte immer mehr ein Sprechgesang in den Vordergrund der Musikszene. Der Hip Hop beherrschte zusehends den Mainstream, und so kam auch der R’n’B nicht mehr an der musikalischen Ausrichtung der Subkultur vorbei. Tone Loc, Young MC, DJ Jazzy Jeff and The Fresh Prince sowie später MC Hammer und Vanilla Ice nahmen eingängige Stücke auf. Sie bestanden meist aus Samples, die von großen vergangenen Hits stammten (zum Beispiel MC Hammers “U Can’t Touch This” mit Samples von Rick James “Super Freak”) und Raps, die nicht mehr von den gesellschaftlichen Schwierigkeiten handelten, sondern von Partys. Somit verlor in diesem Musikbereich auch der Rap seine eigentliche Bestimmung.

In den 90er Jahren kamen zu den unkomplizierten Raps meist im Refrain noch eingängige Melodien. Durch die Verwendung von Gesang im Refrain und Rap-Parts in der Strophe entstand eine klare traditionelle Songstruktur, die ursprünglich im Hip Hop in Anlehnung an den Funk und Blues nicht vorhanden war. Rap-Musik fand so ein größeres Publikum. Naughty By Nature, Coolio, Will Smith oder Salt-N-Pepa waren typische Vertreter dieser erfolgreichen Richtung, die einen weiteren wichtigen Grundstein für den heutigen R’n’B setzte.

Teddy Riley, Produzent und Mitglied von Guy, war auf den beiden Platten “Guy” und “The Future” von 1988 und 1990 der erste, der Hip Hop-Beats samplete und darüber reinen, sprich ohne Raps unterbrochenen Soul-Gesang legte. Der Stil erinnerte noch an Pop der 80er oder seichte Funkstücke, doch die technisch Verbindung zwischen Hip Hop und Soul war durch das Samplen vollzogen. Den neuen Stil bezeichnete man zunächst als New Jack Swing.

Der Vorreiter des New Jack Swing-Sounds war Sex-Symbol Bobby Brown. Brown klangt mit seinem Album “Don’t Be Cruel” zwar sehr nach Michael Jackson, doch auch hier zeigte sich schon die Verbindung der beiden Stile der schwarzen Musik. “My Prerogativ” war ein internationaler Hit und damals an jeder Straßenecke zu hören. Eher für die ruhigeren Stunden war Babyface geschaffen. Dieser machte in den 70ern seine ersten Schritte im professionellen Musikgeschäft als Backgroundsänger in der Band von Bootsy Collins. In den 80ern gründete er mit seinem Partner Antonio Reid seine eigene Funkband. Gemeinsam gründeten Reid und Babyface das LaFace Label, auf dem Bobby Brown, Sheena Easton und Karyn White Songs veröffentlichten. Stücke wie “It’s No Crime”, Whip Appeal, “Never Keeping Secrets”, “When Can I See You”, die Babyface unter eigenem Namen herausbrachte, sind Anfang der 90er Jahre schon sehr sparsam in der Instrumentation. Die Rhythmen ticken langsam und die einzelnen Beats stachen stark hervor. Darüber lag Gesang mit weichen Linien, Vibrato und gelegentlich gepressten Tönen, die das im Soul zum Ausdruck gebrachte Leid verdeutlichen sollten.

Das Paradebeispiel der neuen Musikrichtung war P. Diddy alias Puff Daddy. Er schaffte es, mit Coverstücken aus den 80er Jahren (”Every Breath You Take” von The Police), die den Refrain des Originals bis auf den Text exakt übernahmen, und eingängigen, schleppenden Beats, Leute für Hip Hop zu begeistern, die sich eigentlich nicht für Sprechgesang interessierten. Seine Idee funktionierte: Wochenlang dominierten seine Songs ab Mitte der 90er Jahre die internationalen Charts.

Davon inspiriert und ermutigt verwendeten immer mehr schwarze Pop- bzw. Soul-Produzenten Elemente des Hip Hop. Die Fusion von Soul-Gesang mit Hip Hop-Beats wurde in den 90er Jahren zum Inbegriff des R’n’B. Dabei kamen gelegentlich auch Raps vor, was die enge und dauerhafte Verwandtschaft zum Hip Hop begründete. Von diesen verwandten Stilen unterschied sich der R&B am deutlichsten durch seine Thematik: Wenn der Hip Hop Protest ist und der Soul für die Liebe steht, dann ist R’n’B der reine Sex.

Dass auch die Breakbeat-Hochzeit des Jungle und Drum’n’Bass Mitte der 90er Jahre nicht spurlos am R&B vorüber ging, bewies unterdessen die ‘Rückkehr der Synkopen’ (Akzentverschiebungen). Moderne R’n’B-Beats sind ein Meisterstück in Sachen Drum-Programming. Mit Hilfe moderner Sampling-Technologie und einer unglaublichen Vielfalt an synthetischen Tonerzeugungsverfahren strotzten sie vor intelligenten Klängen, Geräuschen und Sounds. Sie waren abwechslungsreich, aufwändig und Ami-phatt produzierte und durften sogar zu den unmöglichsten Zählzeiten akzentuieren. Die Masse wurde während des Drum’n’Bass-Hypes bereits durch alle dunklen Gassen geschickt. In der Nach-Breakbeat-Ära brachten rhythmische Raffinessen deshalb niemand mehr aus dem Takt. Eindrucksvoll demonstrierten das z.B. Destiny’s Child oder TLC. In London kreierten Craig David und Artful Dodger fast zeitgleich aus Drum’n’Bass-Rhythmik, der 4-on-the-Floor-Atmosphäre des Vocal House/Garage, der Gefälligkeit der “Blackness” und der Chartstauglichkeit des R’n’B einen neuen Stil namens 2Step.

Im Laufe der letzten Dekade erschienen eine Flut von verschiedenen Bands, Sängern und Sängerinnen, die diese neue und kommerziell erfolgreiche Richtung einschlugen, die genannten Destiny’s Child und TLC oder Boyz II Man sind nur die erfolgreichsten Vertreter. R. Kelly erarbeitete sich über Jahre hinweg eine Fangemeinde, zählt heute zu den Superstars und gilt mittlerweile schon fast als idealtypischer R&B-Musiker. Mary J Blige machte zunächst mit hartem Image und deftigem Gesang auf sich aufmerksam. Mit der Zeit veränderte sie ihr Auftreten und singt mittlerweile weichere Töne. Aktuell sind diese Kooperationen eine Selbstverständlichkeit: Mary J. Blige, Aaliyah und Missy Elliott arbeiten mit Timbaland, Destiny’s Child mit Wyclef Jean und Beyoncé Knowles mit The Neptunes zusammen.

Allgemein kann man heute von drei Hauptströmungen des R&B ausgehen. Es gibt die Stars, die Contemporary R&B, also zeitgemäßen R&B spielen, etwa Beyoncé oder Usher. Es gibt es die Verschmelzung mit dem Hiphop – und schließlich gibt es R&B in einer traditioneller instrumentierten, souligen Variante, etwa von Macy Gray, Erykah Badu oder Alicia Keys.



von admin | Über den author:

Ähnliche Posts


Kommentare


Kommentarfunktion geschlossen.

Name (notwendig)

Email (notwendig)

Webseite

Beitrag kommentieren